Durch die aktuelle Conrona Pandemie ist die Schule auch in Notzingen seit Wochen geschlossen. Dies ist in der nun über 400-jährigen Geschichte der Notzinger Schule ein besonderer Vorgang.

Wir möchten aber gerade deshalb die Gelegenheit nützen etwas zurückzublicken in die örtliche Schulgeschichte. Heute der erste Teil.

Im Herzogtum Württemberg musste ab 1559 in allen Dörfern Deutsche-Schulen und in den Städten zusätzlich Latein-Schulen eingerichtet werden. Damit war Württemberg das erste Land im deutschsprachigen Bereich das für die ganze Jugend, Jungen und Mädchen, eine Schulpflicht vorgeschrieben hatte. Die Umsetzung der Schulpflicht wurde aber nicht immer und nicht überall ernst genommen und deshalb nicht so streng durchgeführt.

Die ersten Anfänge in Notzingen seien um 1600 gewesen. Um 1636 hat ein Lorenz Beckher als Lehrer seinen Dienst angetreten. Schriftliche Nachweise über das Schulwesen in Notzingen beginnen um 1654. Und für die Jugend auf dem Land war nur eine Winterschule üblich. Diese war angesetzt vom 11.November (Martini) bis zum 23.April (Georgi). Unterrichtsfächer waren damals Memorieren (auswendig lernen), Schreiben, Lesen und Singen. Es herrschte immer ein Raumproblem. Ein Viertel der Schüler musste deshalb während des Unterrichtes stehen.

Es gab damals kein Schulhaus und keinen festen Schulraum. Die Kinder kamen in der Wohnung des Mesners oder des Lehrers zusammen. Das Raumproblem wurde immer größer. Deshalb richteten im Jahre 1668 der Schultheiß (Bürgermeister) und die Geschworenen (Gemeinderäte) im Namen der gesamten Gemeinde eine Bittschrift an den Herzog um eine Beisteuer (Unterstützung) zu einem Schulhaus zu erhalten. Durch die genehmigte Beisteuer des Herzogs in Form von Dinkel und Haber(Hafer) konnte dann 1669 in das damalige Rathaus ein Schulraum eingerichtet werden. (Dieses erste Rathaus, stand am Platz des dann 1840 erbauten Rathauses, heute Gasthaus Pizzeria) 1714 wurden die Räume erweitert, da immer noch Schüler während des Unterrichtes stehen mussten. Das Volksschul-Gesetz von 1836 forderte die Einrichtung von Dienstwohnungen für die Lehrer. Dies, und die Notwendigkeit größere und gesündere Schulräume zu schaffen, hat den Gemeinderat im Sommer 1839 bewogen hier Lösungen zu beschließen. Das alte Rat- und Schulhaus wird abgerissen und ein neues geräumiges Gebäude am gleichen Platz erstellt. Während der Bauzeit wurde in einem gemieteten Raum und in der Kirche unterrichtet. Im Frühjahr 1840 wurde mit dem Neubau begonnen und bereits am 28.Oktober 1840 wurde das Gebäude eingeweiht. So schnell konnte man früher ein öffentliches Gebäude verwirklichen. Bis zum Jahr 1956 diente dieses Gebäude als Schul- und Rathaus und bis 1976 als Rathaus.

Eine herzogliche Verfügung von 1672 forderte nachdrücklich die Abhaltung auch einer Sommerschule. Umgesetzt wurde dies jedoch nur sehr zögerlich. Ab 1826 ist ganzjähriger Schulbetrieb in Notzingen nachgewiesen. Notzingen und Wellingen hatten gesonderte Schulen. Die Chronik berichtet, dass die Winterschule im allgemeinen gut besucht wurde, jedoch die Sommerschule große Versäumnisse hatte. Die Kinder wurden dringend benötigt, um bei den Arbeiten auf dem Feld sowie im Stall und Haushalt zu helfen. Aber auch um an den zahlreich im Dorf vorhandenen Webstühlen zu arbeiten.
Im 19.Jahrhundert wurde der Schulbesuch regelmäßiger weil das örtliche Schultheißenamt gesetzwidrige Schulversäumnisse bestrafte. Zur Erleichterung für die Familien wurde die Schule dafür ab 1896 morgens um 11 Uhr geschlossen damit die Kinder das Essen in die Kirchheimer Fabriken zu Ihren Vätern tragen konnten.
Die Schulfächer bestehen ab dem Jahr 1821 aus Singen, Lesen, Schön- und Rechtschreiben, im Rechnen und im Auswendiglernen. Im Jahr 1883 wurde der Turnunterricht neu eingeführt. Dieser fand z.B. im Hirschgarten statt oder witterungsbedingt in der Kelter.

Raummangel war ein andauerndes Problem und es gab getrennte Schulgebäude.
In Notzingen im Rathaus und in Wellingen in einem Gebäude am Platz des heutigen Bürgerhauses.

Die Klassenräume waren meist überfüllt und z.B. 1913 wurde die zu hohe Zahl von 77 Schülern in der Oberklasse beanstandet. Es wurde deshalb Schichtunterricht eingeführt.
Ab 1915 wurden für die Dauer des 1.Weltkrieges die Lehrer zum Wehrdienst eingezogen.
Notgedrungen wurde anstelle des Dreiklassenunterrichts ein Einklassenunterricht für alle Kinder gemeinsam eingeführt. Kindergärtnerinnen übernahmen den Unterricht oder vermutlich auch nur die Aufsicht. Bei extremen Kältetagen zwang auch Kohlemangel zu zeitweisen Schulschließungen. Wegen Raummangel wurde der Handarbeitsunterricht in den Choranbau der Kirche verlegt oder das Ratszimmer in Wellingen wurde benutzt als Schulraum.

In den 1920er Jahren und um 1930 gab es Überlegungen und Forderungen des Bezirksschulamtes, dass die Schulorte Notzingen und Wellingen zusammen gelegt werden sollen zu einer dreiklassigen Schule. Dies wurde dann per 1.6.1934 umgesetzt und erbrachte organisatorische Verbesserungen. Geblieben ist aber der Raummangel und die verschiedenen Gebäude.

Wie ging es weiter mit der Notzinger Schule. Dies erfahren Sie nächste Woche im Gemeindeblatt bzw. auf dieser Website.

Das 1840 erbaute ehemalige Schul- und Rathaus von Notzingen ist bis heute ein stattliches Gebäude in der früheren Ortsmitte. Es diente bis 1956 als Schul- und Rathaus und bis 1976 als Rathaus.

Quellen: Notzinger Heimatbuch, Texte von Siegfried Bader, Sammlung Ursula Eberbach, Sammlung Alfred Bidlingmaier

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